Jetzt liegen alle Fakten offen
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Blick in die NSDAP-Mitgliederkartei: Die ZEIT hat die Suche in Millionen von Dokumenten erleichtert und das Archiv ausgewertet. © [M] Alexander Hoepfner/DIE ZEIT**
NS-Vergangenheit:
Jetzt liegen alle Fakten offenWar Uropa ein Nazi? Die Suche in der NSDAP-Kartei ist eine Chance, sich der Wahrheit über die eigene Familie zu stellen – ohne falsche Scham und ohne zu relativieren.Von Christian Staas 2026-04-02T11:18:00.000+02:00 195KommentareZusammenfassen
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Die Bereitschaft, die eigene Familiengeschichte zu durchleuchten, scheint größer denn je. Dafür sprechen die vielen Anträge auf Einsicht in personenbezogene Unterlagen zum Nationalsozialismus; beim Bundesarchiv sind es rund 75.000 im Jahr. Und das belegt der Andrang, den gerade erst die Nachricht ausgelöst hat, dass die US National Archives ihre Kopien der NSDAP-Mitgliederkartei ins Netz gestellt haben. Zeitweise war das Archiv unter dem Ansturm der Anfragen kaum noch zu erreichen.
Um Interessierten die Suche zu erleichtern, hat die ZEIT sich entschieden, sämtliche vom amerikanischen Nationalarchiv freigegebenen Digitalisate herunterzuladen und durchsuchbar zu machen. Jeder, der möchte, kann damit einen der wichtigsten von den Alliierten geborgenen Aktenbestände aus dem "Dritten Reich" am eigenen Rechner oder auf dem Smartphone einsehen.
Mehr als 80 Jahre sind seit Kriegsende vergangen, die Spanne eines Menschenlebens. Die Auseinandersetzung in den Familien ist durch diesen großen zeitlichen Abstand zweifellos leichter geworden, als sie es noch vor zehn oder 20 Jahren war. Die sogenannte Erlebnisgeneration sitzt nicht mehr mit am Tisch. Die allerjüngsten NSDAP-Mitglieder waren bei Kriegsende 17 Jahre alt und werden, sofern sie noch leben, bald 100.NSDAP-Mitgliederkartei**
ZEIT veröffentlicht Such-ToolNSDAP-Mitgliederkartei:War Ihre Familie in der NSDAP? Recherchieren Sie in neuen DokumentenNSDAP-Mitglieder:"Wir müssen uns die Mitläufer und Täter ansehen. Besser spät als nie"NSDAP-Mitgliederkartei:Ohne diesen Mann wäre die NSDAP-Mitgliederkartei vernichtet worden
Die nun zugängliche Kartei hat gesellschaftliche Bedeutung**
Zugleich digitalisieren mehr und mehr Institutionen ihre Quellenbestände und eröffnen damit neue Recherchemöglichkeiten. Auch das dürfte die Hemmschwelle gesenkt haben, nach alten Unterlagen zu forschen. So kommt es, dass viele Deutsche erst jetzt beginnen, sich nicht nur im Rahmen einer oft abstrakten Erinnerungskultur, sondern auch ganz konkret, in der Familie, der eigenen Vergangenheit zu stellen. Dazu will die Suchmaschine der ZEIT beitragen.NewsletterNur eine Frage
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Die Veröffentlichung der Kartei hat darüber hinaus eine gesellschaftliche Relevanz. Denn sie ermöglicht es jedem Einzelnen, den gesamten Datensatz zu nutzen. Wirklich niemand kann künftig mehr die NSDAP-Mitgliedschaft prominenter Unternehmer, Künstler oder Politiker schönreden oder abstreiten. Die Fakten liegen offen zutage, für jeden einzusehen und schnell nachzuprüfen. Über die NS-Vergangenheit zu lügen oder die Augen vor ihr zu verschließen, ist unmöglich geworden. Zumindest, was die Mitgliedschaft in Hitlers Partei betrifft.
Ein Täter und Denunziant, ein Profiteur und Ausbeuter, ein NS-Mörder und Kriegsverbrecher konnte man natürlich auch ohne Parteiausweis sein. Auch wer nicht in der Kartei auftaucht, hat sich womöglich schuldig gemacht – so wie umgekehrt nicht jeder, der in die Partei eintrat, ein hundertprozentig Überzeugter war.**
Schweigen und Konflikte begleiten die Aufarbeitung**
Insgesamt wurden seit 1925 mehr als zehn Millionen Deutsche in die NSDAP aufgenommen. Es dürfte nicht allzu viele Familien geben, in deren weiterer Verwandtschaft nicht irgendjemand in der Partei gewesen ist, von anderen Massenorganisationen des NS-Staates und der Wehrmacht ganz zu schweigen.
Nach 1945 sahen sich die Deutschen zuallererst als Opfer – ausgebombt im Krieg, "verführt" von einer skrupellosen Nazi-Clique. In den Entnazifizierungsprozessen leugneten oder beschönigten sie ihre "Verstrickung", in der Öffentlichkeit wurde geschwiegen. In verstockter Scham erstarrte die deutsche Gesellschaft angesichts der Bilder aus den Konzentrationslagern, die ihnen die Alliierten vorhielten. Die NS-Verbrechen, hieß es bald, seien "in deutschem Namen" begangen worden, als seien es nicht Deutsche selbst gewesen, die für sie verantwortlich waren und sie verübt hatten. Gewusst habe man von nichts.
Dieses Leugnen und Schweigen, lautet eine beliebte Erzählung, sei während der Sechzigerjahre in einem lautstarken Generationenkonflikt aufgebrochen. Das ist nicht falsch. Wahr ist aber auch, dass sich das Schweigen über 1968 hinaus konservierte. Während die deutsche Gesellschaft allmählich – sehr allmählich – das Verdrängen und Verleugnen überwand und sich mit Schuld und Verantwortung auseinandersetzte, überwinterte in vielen Familien das Gefühl der Scham. Wofür man sich schämt, das möchte man verstecken. Und was man lange genug versteckt, ist irgendwann vergessen.**
Wer in der NSDAP war, hat das Regime unterstützt und legitimiert**
In einer 2025 von der ZEIT beauftragten Studie gaben 26 Prozent der Befragten an, ihre Vorfahren seien NS-Gegner gewesen. 21 Prozent sagen, es seien Mitläufer gewesen. Nur drei Prozent glauben, ihre Familie habe das Regime befürwortet. Diese Vorstellung hat, allein vor dem Hintergrund, dass mehr als jeder zehnte Deutsche Mitglied der NSDAP war, mit der historischen Wirklichkeit nicht viel zu tun. Seit vielen Jahren kommen Umfragen zu ähnlichen Ergebnissen: Sosehr das Bewusstsein für die NS-Verbrechen insgesamt gewachsen ist – die eigenen Vorfahren haben in der Wahrnehmung vieler Deutscher noch immer nichts bis wenig damit zu tun.
Es ist Zeit für ein Ende des Schweigens aus falscher Scham. Wer in der NSDAP war, hat das NS-Regime unterstützt und legitimiert. Da gibt es nichts zu relativieren. Aber niemand kann etwas für seine Vorfahren oder für das, was sie getan oder gelassen haben. Die bekannte Formel, nach der die Nachgeborenen keine Schuld trifft, sie aber die Verantwortung dafür tragen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt, sollte auch im Kleinen gelten, in den Familien.
Zu dieser Verantwortung gehört es, der Wahrheit nicht auszuweichen, Lügnern und Verharmlosern die historischen Fakten entgegenzuhalten und die eigene Geschichte vorbehaltlos zu erkunden, statt mit dem Finger auf andere zu zeigen. Es ist auch mehr als 80 Jahre nach Kriegsende nicht zu spät, damit anzufangen. Den eigenen Familiennamen in unsere Suchmaschine einzugeben, kann ein erster Schritt sein.NSDAP-Mitgliederkartei:Recherchieren Sie hier die NSDAP-Vergangenheit Ihrer FamilieDie ZEIT hat die Mitgliederkartei der NSDAP aufbereitet. Mit unserem Tool lassen sich Millionen Dokumente einsehen. Suchen Sie nach Ihrem Familiennamen.Suchen
Uns interessiert, was Sie durch unser Recherchetool über Ihre Vorfahren erfahren haben und zu welchem Diskussionen diese neuen Erkenntnisse in Ihrer Familie geführt haben. Schreiben Sie uns gerne per Mail an community-redaktion@zeit.de.SeitennavigationStartseiteKommentierenJetzt teilen auf:TeilenLink kopieren
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Danke für die offenen Berichte hier. Uns interessiert, was Sie durch unser Recherchetool über Ihre Vorfahren erfahren haben und zu welchem Diskussionen diese neuen Erkenntnisse in Ihrer Familie geführt haben. Schreiben Sie uns gerne per Mail an community-redaktion@zeit.de❤️ 1Antwort schreibenSSultan. 2026-04-02T11:41:00.000+02:00 Beitrag meldenLink kopieren
Die Mitgliedschaft in der NSDAP bedeutete noch lange nicht überzeugter Nazi zu sein.
Mit zeitlich, historischem Abstand fällt es leicht Menschen zu verurteilen, die zum Zeitpunkt des Parteieintritts in den meisten Fällen keine Ahnung davon hatten, was für Verbrecher sie da unterstützten. Kein Beschönigen, aber ich möchte nicht über Lebensentwürfe und Lebensbedingungen urteilen, die wir uns heute kaum vorstellen können.
Gleichwohl können wir heute daraus lernen, wie schnell eine Gesellschaft auf verlockende Angebote und Versprechen übelster Populisten reinfallen kann (man sehe die zunehmende Akzeptanz der AFD)!⭐️ 85❤️ 33😁 1🙁 14🤨 20😲 1216 AntwortenAntwort schreibenbbernhard0403 2026-04-02T20:28:00.000+02:00 Beitrag meldenLink kopieren
Na wunderbar... jetzt kann man endlich alle im Dorf checken und rausfinden, wer eine NS-Vergangenheit hat... und dann drüber tuscheln... oder was genau soll der Käse bringen?! Wenn man selbst einen überzeugten Nazi in der Familie hatte, weiß man das wohl... wenn es einer von unzähligen Mitläufern war, vermutlich auch... und wenn nicht - was soll es helfen, das jetzt herauszufinden?! Ich habe gerade gesehen, dass der Bruder meiner Oma in der Partei war... was soll ich jetzt damit anfangen?! Vergangenheit mit meinen Großcousins aufarbeiten, zwei bzw. drei Generationen später? Ohne jede Chance, den Betroffenen zu fragen, was ihn dazu bewogen hat?! Ihn verurteilen, ohne seine Stimme zu hören?! Ich wüsste nicht, was da groß Gutes rumkommen soll.⭐️ 37❤️ 18😁 4🙁 38🤨 64😲 1817 AntwortenAntwort schreibenKKunstlehrer 2026-04-02T11:51:00.000+02:00 Beitrag meldenLink kopieren
Ich hoffe, dass es nicht soweit kommt, dass in ferner Zukunft AfD Mitgliedschaften veröffentlicht werden müssen. Nie wieder ist ewige Verpflichtung!⭐️ 67❤️ 433 AntwortenAntwort schreibenrrs22740x14 2026-04-02T12:08:00.000+02:00 Beitrag meldenLink kopieren
Niemand gefunden, nicht einmal den Großonkel der bei der SS war.
Ich wüsste jetzt allerdings auch nicht, was ich mit den Informationen anfangen sollte. Schließlich sind die Leute ja schon seit Jahren, bis Jahrzehnten tot.
Kümmern wir uns lieber um heute, schließlich haben wir mit der AfD wieder eine rechtsextreme Partei im Parlament und bei der Landtagswahl neulich haben sich fast 20% unsere Mitbürger dazu bekannt Nazi zu sein und habe die Partei gewählt.⭐️ 43❤️ 23🤨 2😲 56 AntwortenAntwort schreibenIIndogermane74 2026-04-02T11:38:00.000+02:00 Beitrag meldenLink kopieren
Da man faktisch niemanden, der in dieser Kartei gelistet ist, mehr fragen kann, stellt sich für mich die Frage, was man als Nachfahre dann mit diesem Wissen anstellt. Man weiß, dass (Ur)Opa oder (Ur)Oma, Vater oder Mutter in der Partei waren. Was sie dort gemacht haben, ob sie Hauptbelastete, Mitläufer, Opportunisten oder Denunzianten waren, erfährt man dadurch nicht.
Wenn es darum geht, dass sich Geschichte nicht wiederholt, mag die Kartei dazu beitragen. Diejenigen, die heutzutage völkisch-nationale Gedanken tragen, wird das nicht bekehren.
Die Mechanismen, die damals wirkten, wirken auch heute noch. Die Nazis haben gar nicht so viel tun müssen, um sich die Gefolgschaft breiter Massen der Bevölkerung zu versichern. Sie haben nur ganz viele massenpsychologische Mechanismen und Dynamiken erkannt und gewusst, wie sie sich diese zunutze machen können.
Götz Alys jüngstes Werk "Wie konnte das geschehen?", sollte hingegen Pflichtlektüre an deutschen Schulen werden. Wer es dann immer noch nicht begriffen hat, der ist nicht mehr zu retten.⭐️ 44❤️ 225 AntwortenAntwort schreibenAndersmal 2026-04-02T13:22:00.000+02:00 Beitrag meldenLink kopieren
Deutsche mit Familienmitgliedern mit NS-Vordergrund relativieren und verdrängen seit Jahrzehnten, deshalb ist Rassismus auch ein vitaler Bestandteil der Gesellschaft. Da die „lieben“ Ur-Großeltern meist schon das zeitliche gesegnet, ohne dass sie jemals überhaupt gefragt wurden, wie sie aktiv und passiv dazu beigetragen haben, ein menschenverachtendes System mitzutragen, dürften „ehrliche Auseinandersetzungen“ wohl ausbleiben. Die AfD und CDU/CSU Wählerschaft kommt auch nicht aus einem gedanklichen Vakuum.⭐️ 17❤️ 16🙁 9🤨 18😲 126 AntwortenAntwort schreibenssewas11 2026-04-02T11:57:00.000+02:00 Beitrag meldenLink kopieren
Eigentlich interessiert es mich nicht besonders, was meine Urgroßeltern und ein Opa zu dieser Zeit gemacht haben. Ich habe sie nie kennengelernt, da sie vor meiner Geburt starben. Viel mehr beschäftigt mich die Frage, wie hätte ich mich damals verhalten auch wenn es darauf keine Antwort geben kann. Man kann es nicht wissen, da das Verhalten heute keine Rückschlüsse auf die damalige Zeit zulässt.⭐️ 32❤️ 6🙁 3🤨 10😲 38 AntwortenAntwort schreibenMehr laden



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